Studieren mit Behinderung

Planung und Organisation des Studienalltags

Damit Studierende sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren können, sollte der Alltag möglichst reibungslos ablaufen. Dazu ist im Vorfeld allerdings einige Planungsarbeit zu leisten. Besonders Studierende mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten müssen bei der Organisation ihres Studienalltags viele Details beachten und planen. Eines der wichtigsten Faktoren ist zunächst die Wohnungssuche, die sich je nach Bedarf als umfangreich gestalten kann. Auch die Mobilität von der Wohnung zur Hochschule und zu allen wichtigen Orten des alltäglichen Lebens, muss im Vorfeld geplant werden. Darüber hinaus können sich Fragen nach technischen Hilfsmitteln, Studienassistenz, Verpflegung und sozialen Aktivitäten ergeben.
Planung und Organisation des Studienalltags
Wohnungssuche und Mobilität zur Hochschule müssen im Vorfeld geplant werden.

Hilfsmittel und Assistenzleistungen

Für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten sind spezielle Hilfsmittel und Assistenzen im Studium unerlässlich. Im Rahmen der Eingliederungshilfe werden die Kosten hierfür übernommen, sofern sie für das Studium erforderlich sind. In der Regel handelt es sich dabei und elektronische oder technische Hilfsmittel wie PCs, Bildschirmlesegeräte, Sprachausgaben oder Vergrößerungssoftware. Aber auch persönliche Unterstützung in Form von Studienassistenzen oder Kommunikationsassistenzen können in Anspruch genommen werden.
Beispiele hierfür sind:

  • Gebärdensprachdolmetscher
  • Schreib- und Vorlesekräfte
  • Studienhelfer insbesondere für gehörlose Studierende
  • Helfer bei Recherche- und Bibliotheksarbeiten

In vielen Fällen dürfen die Assistenten und Assistentinnen mit zu Prüfungen genommen werden und Hilfe bei der Erstellung von Referaten und schriftlichen Arbeiten leisten. Sogar bei erforderlichen Auslandsaufenthalten dürfen sie die beeinträchtigt Studierenden begleiten.

Barrierefreies Wohnen

Die Wohnungssuche kann sich insbesondere zu Beginn eines Semesters schwierig gestalten. Deshalb sollten beeinträchtigt Studierende, die besondere Anforderungen bezüglich der Lage, Barrierefreiheit und Ausstattung haben, frühzeitig nach einer geeigneten Wohnung suchen.

Studierendenwohnheime
An vielen Hochschulen gibt es Studierendenwohnheime mit barrierefreien Zimmern oder Appartements. Auch auf Allergien oder Seh- und Hörbeeinträchtigungen wird häufig Rücksicht genommen. Mit etwas Vorlauf können bei Bedarf auch kleinere Ergänzungen oder Umbauten vorgenommen werden. Die wichtigsten Informationen gibt es auf den Internetseiten der Hochschulen und örtlichen Studentenwerke. Am besten ist es, die Gegebenheiten direkt vor Ort zu prüfen und im persönlichen Gespräch mit den Verantwortlichen die Zimmerausstattung und nötige Nachweispflichten zu besprechen. Besonderer Wohnbedarf sollte in jedem Fall frühzeitig angemeldet werden, da entsprechende Einrichtungen nur begrenzt vorhanden sind.

Eigene Wohnung oder WG
Sollte eine eigene Wohnung oder ein Zimmer in einer WG bevorzugt werden, gibt es auch hierfür Unterstützung vor Ort. Kompetente Hilfestellung erhalten Studierende bei der Wohnungssuche von Behindertenbeauftragten der Hochschulen und Studentenwerke oder von den örtlichen Wohnungsämtern. Auch das Sozialamt ist bei diesem Thema ein guter Ansprechpartner und leistet Hilfe bei der Wohnungssuche und -anpassung. Die Auswahl an bedarfsgerechtem Wohnraum ist allerdings begrenzt in Deutschland und entsprechend hoch sind die Mieten. Daher ist auch hier eine frühzeitige Recherche wichtig.

Unterstützung im Haushalt
Wenn Studierende auf Hilfeleistungen im Haushalt angewiesen sind, können sie dafür unter Umständen professionelle Dienste in Anspruch nehmen. Diese können, wenn kein anderer Kostenträger dafür zuständig ist, als nicht-ausbildungsgeprägte Mehrbedarfe nach SGB II beantragt werden.

Mobilität

Besonders für Studierende, die in ihrer Mobilität beeinträchtigt sind, ist es wichtig vor Studienbeginn zu klären, wie sie möglichst selbstständig von A nach B kommen. Dafür gibt es je nach Beeinträchtigung und individueller Bewegungsfähigkeit der Studierenden verschiedene Möglichkeiten.

Öffentlicher Nahverkehr
In den letzten Jahren wurden viele Anstrengungen unternommen, um an Bahnhöfen und Bahnsteigen barrierefreie Bedingungen zu schaffen. Trotzdem ist dies noch nicht überall gelungen. Daher sollten Studierende sich bereits vor Studienbeginn darüber informieren, wie sie zu den Veranstaltungsorten gelangen können und ob alle Wege selbstständig und barrierefrei zu begehen sind.

Sonderfahrdienste
Sollte es mit dem öffentlichen Nahverkehr nicht möglich sein barrierefrei zu reisen, gibt es für Behinderte spezielle Sonderfahrdienste. Diese sind allerdings für Studierende nur eingeschränkt zu empfehlen, da sie häufig nicht flexibel genug auf die unregelmäßigen Vorlesungszeiten eingestellt sind und nur zu festen Zeiten zur Verfügung stehen. Alternativ können fahrdienstberechtigte Studierende in einigen Fällen auch Taxifahrten nutzen. Die Kosten übernimmt, je nach Sachlage, der Sozialhilfeträger.

Eigenes Auto
Die wohl flexibelste Transportmöglichkeit bietet ein eigenes Auto. Im Rahmen der Eingliederungshilfe übernimmt der Sozialhilfeträger in speziellen Fällen die Finanzierung des PKWs, der Unterhaltskosten und des Führerscheins. Außerdem kann für schwerbehinderte Menschen die Kfz-Versicherung und -Steuer erlassen oder ermäßigt werden. Trotzdem können Behinderte auf dem Weg vom Parkplatz zu den Veranstaltungsorten auf Mobilitätsbarrieren stoßen. Daher vergeben die meisten Hochschulen spezielle Sonderparkgenehmigungen und unterstützen die Studierenden bei der Gestaltung von sinnvollen Parkmöglichkeiten.

Für Sehbeeinträchtigte Studierende
Für blinde oder stark sehbehinderte Studierende wird ein Orientierungs- und Mobilitätstraining angeboten. Dabei werden die Wege vom Wohnort zur Hochschule und alle anderen wichtigen Alltagswege erarbeitet. Eine wichtige Mobilitätshilfe kann auch ein Blindenführhund sein, der als „Hilfsmittel“ gilt und somit eine Zutrittserlaubnis zu allen wichtigen Veranstaltungsorten hat.

Versorgung in Mensen und Cafeterien

Für das leibliche Wohl ist auf dem Campus auch gesorgt. In der Vorlesungszeit gehen die meisten Studierenden während der Mittagspause in die Mensa oder Cafeteria. Dort gibt es ein umfangreiches und abwechslungsreiches Essensangebot für wenig Geld. Häufig gibt es die Möglichkeit mit der Komponentenwahl die Mahlzeit individuell zusammenzustellen. Enthaltene Zusatzstoffe und Allergene werden ausgeschrieben. Die Räumlichkeiten sind an den meisten Hochschulen stufenlos erreichbar. Sollten für beeinträchtigt Studierende trotzdem Barrieren die Nutzung des Angebots behindern, stehen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stets helfend zur Seite.

Hochschulsport

An den meisten Hochschulen wird ein umfassendes und abwechslungsreiches Angebot an Sportaktivitäten angeboten. Die Teilnahme am Hochschulsport macht nicht nur Spaß, sondern hat auch aus gesundheitlicher und integrativer Hinsicht viele positive Effekte. Bei den meisten Hochschulsportkursen wird darauf geachtet, dass sie sowohl von behinderten Studierenden als auch von beeinträchtigungsfreien Interessenten durchgeführt werden können. Über die körperlichen Anforderungen sollten interessierte Studierende sich trotzdem im Voraus bei der entsprechenden Einrichtung für Hochschulsport informieren.

Unterstützung von Professoren und Hochschulpersonal

Direkt an den Hochschulen stehen die Mitarbeiter den beeinträchtigt Studierenden stets unterstützend zur Seite. Wissen die Professoren über die Einschränkungen der Studierenden Bescheid, stellen sie barrierefreie Unterrichtsmaterialien zu Verfügung und achten darauf behindertengerechte Prüfungen zu stellen.

Häufig werden Bibliotheksarbeitsplätze mit speziellen Hilfsmitteln ausgestattet und es gibt einen umfangreichen digitalen Literaturbestand. Auch im späteren Studienverlauf helfen die Hochschulmitarbeiter bei der Vermittlung von Kontakten für Praktika oder Abschlussarbeiten oder betreuen die Absolventen in der Bewerbungsphase.

An einer Hochschule werden die Studierenden nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Vielmehr werden umfangreiche Unterstützungsmöglichkeiten für die verschiedenen individuellen Bedürfnisse der Studierenden angeboten. Diese reichen von der Wohnungssuche, über die Bereitstellungen von Hilfsmittel und Studienassistenzen bis hin zu individuellen Tutorenprogrammen. All diese Maßnahmen verhelfen zu einem gut organisierten Studienalltag, so dass die Studierenden ihre gesamte Energie auf das Studium und ihre Leistungen richten können.